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Als die erste Ehe mit Siri von Essen in die Brüche ging, machte sich Strindberg schwere Sorgen, wie es den drei Kindern ergehen werde, wenn er von ihnen getrennt leben muß. Voller schmerz und Unruhe wendet er sich im folgenden Brief an seinen Cousin Gotthard Strindberg, mit dem er alle Jahre einen lebhaften Briefwechsel aufrechthielt. Platonismus, Cognac-am-Vormittag, Modellierung mit Bob und seinem Schwager, refusierten Whist, Brief aus Wien mit "Gläubiger"-Angebot, Mahnbriefe, Herzfehler, Sehnsucht nach den Kindern, Balzac, testamentarische Verordnungen, Interview, eilig, auf der Straße mit meinem "Sommergeistlichen", bemerke ich im Almanach, ich habe nur noch drei Wochen, bis zum 8. September, wo das Gericht die vielen Prozesse halten soll. Es beunruhigt mich, daß es so nah liegt. Denn, werden die Kinder von der Mutter genommen, tut sie sich und den Kindern was an. Das will ich nicht, sondern dann lasse ich das alles fallen. Verberge mich bei Bergh und lege mich krank. Aber meine Kinder? Ja, meine Töchter bleiben in diesem verkommenen Heim - Das Problem ist also unlösbar! Eine Sache deshalb, während ich daran denke. Wenn mir etwas passieren sollte - Du bist mein Zeuge, daß ich ein Testament zugunsten Elisabeths errichtet habe, nicht um die Kinder zu enterben, sondern um ihnen zu retten, was ich habe. Hilf Elisabeth mit meinen Briefen und Papieren, die ich mit Deiner Anschrift versehe. Laß meinen Kindern beibringen, daß ihr Vater sie niemals verlassen hat, und lasse sie Gutes über ihren Vater reden, ohne Böses über die Mutter zu sagen. Erzähle ihnen, in dem Jahrzehnt, da ich lebte, will sagen, Einkommen hatte, habe ich auf alles verzichtet, habe ich für sie gearbeitet, auf feine Kleider,auf gewöhnliche Vergnügungen verzichtet, durch Überproduktion meine Begabung ruiniert - und als ich nicht mehr besaß, warf man mich weg. Laß nach meinem Tod den Familienrat Vormundschaft begehren! Fordre das! Laß die Kinder wissen, Fräulein David war die, welche den Vater von ihnen trennte, und daß sie eine schlechte Person ist, die sie verabscheuen und ihr ganzes Leben ausweichen sollen. Sie sind ihr nichts schuldig, denn es gibt den begründeten Verdacht, daß von Ersparnissen aus meinem Einkommen gelebt wird. Lies alle papiere! Meine braune Tasche mit den Riemen. Alle! Lehre meinen Kindern, den Namen Albert Bonnier immer mit Achtung und Dankbarkeit zu nennen - daß sie stets - was sie auch von anderen hören - gut über die Mitglieder seiner Familie sprechen. Denn Bonnier rettete einmal den Vater dieser Kinder vom Untergang und trug also zu ihrer immer lichten Kindheit bei, bis Fräulein David sie verdunkelte. Ich hätte diesen Brief später senden können! es gibt nichts zu beantworten, deponiere ihn also. Dalarö, 5.August
1892
meinem Brief, erwarte neue Zwangsvollstreckungen wegen 500 Kronen Strafe, Bußgeld und Gerichtskosten oder Gefängnis, wenn ich nicht bezahle, was unmöglich ist. Du denkst, es hört sich an wie ein Märchen, aber es ist die reine Wahrheit, und wahrscheinlich gehe ich ins Gefängnis, denn ich habe wichtigere Schulden. Das ist Schweden! Du erinnerst Dich, als wir uns letztens trafen, hatte ich eine große Brotarbeit: Schwedens Natur im Werden. Nachdem ich das ganze schreckliche Land, Lappland ausgespart, bereist hatte, schrieb ich ein Resümee zu einer Vorlesung, dessen Einnahmen mir das Niederschreiben ermöglichen sollten. Der Patriotismus hat sich als nur blague gezeigt, die Vorlesungen mußten eingestellt werden. Daraufhin wurde die Vorlesung an AFTONBLADET verkauft, wo sie natürlich als neu und ausgezeichnet befunden wurde - aber nie gedruckt wurde - nach Ablauf eines 3/4 Jahres. Sie enthielt nichts Ketzerisches , aber sie war so gut und der Neid ließ nicht zu, daß ich , als einer der ersten Naturschilderer mit modernen Ansichten, mir einen Namen machte. Das ist Schweden! Daraufhin wurde es Albert Bonnier übergeben, der die Ansicht äußerte, die rein naturwissenschaftliche Arbeit solle Novellen enthalten (seine eigenen Worte!). Im Frühjahr schrieb ich "Sankte Per"!(196), was aber niedergeschimpft wurde von einem Theaterleiter, der das Manuskript zur Lesung hatte. Die Folge: ungespielt! Schrieb drei Einakter fürs DRAMATISCHE THEATER. Wurden angenommen, aber nicht gespielt, weil....das weiß niemand! Es scheint, Schweden bekommt keine Ruhe, bis ich tot bin! und als wartete man nur darauf, das Begräbnis durchführen zu können! Albert Bonnier, der Arbeitgeber der schwedischen Literatur, ist nun so weit gekommen, er bestellt und bestimmt Maße, Farben und Qualität. Indessen, nun beschäftige ich mich mit dem Mälarroman, ein "Die Leute von Hemsö"am Mälarsee. Glaubst Du , es wird möglich sein, einen deutschen Verleger zu bekommen, wenn das noch nicht herausgegeben Manuskript geschickt wird. Das wird ein Gartenlaubenbuch, damit meine Kinder leben können und ich für meinen "Antibarbarus" sammeln kann, der zu einem Sammlungsband von ½ Fuß Durchmesser angewachsen ist. Oder warum sollte nicht "I Havsbandet" (Insel..........) ein Buch werden? Oder "Glückspeters Fahrt" oder "Die Schlüssel des Himmelreiches" könnte auf die VOLKSBÜHNE, "Das Geheimnis der Gilde" oder "Frau Margit" am DEUTSCHEN THEATER gegeben werden? Wenn ich mein Buch fertig bekommen kann, werde ich sicherlich im Herbst nach Berlin kommen, nur um nicht in Schweden sein zu müssen, und bis dahin schiebe ich alle Äußerungen über eure neue Richtung in der Literatur auf, bei welcher ich, ohne es zu wissen,teilhaftig sein soll, wie ein Franzose behauptet. Mit Grüße an Frau und Kinder. Eine Woche später kam der nächste Brief an Ola Hanson, in dem er wieder klagte, wie elendig und verschuldet, wie gejagt er sei von den Gläubigern, wie er weg wolle von Schweden, wie er nach Berlin kommen wolle, wo sich seine Werke gerade begannen durchzusetzen. ich nicht so lassen kann, ohne daß die Zeitungen nach mir suchen; besonders weil ich gerade zwei Pfändungen hatte. Der Herbst ist da: ich wohne immer noch in der Sommerfrische und kann nicht mal von hier weg. [---] alle Resursen sind, während dieser drei greulichen Jahre, da ich zuhause war, angewendet worden. Sechs Stücke habe ich fertig, davon zwei richtig starke - wie den "Vater" und "Fräulein Julie"[---]. In Schweden hat man Hindernisse der Unbußfähigen errichtet, gegen alles was Aug Sg macht. [---] [---]Man schreibt mir ja daß Henke dabei ist, 3 Bände Aug Sgs Gesammelte Dramatische Arbeiten heraus zu geben, und sie sind herausgegeben.(197)Aber wie kommt man aus dieser Hölle? Hätte ich 200 Mark Reisegeld würde ich fliehen. [---] Um das Leben aufrecht zu erhalten, habe ich Bilder gemalt und verkauft! für Preise wie Norrbrobilder(198)! Natürlich! Dachte daran Photograph zu werden, um mein Talent zu retten! als Verfasser! Kannst Du nicht irgend eine Möglichkeit sehen, mich hier nur weg zu reißen, um mein psychisches Leben zu retten,[---] Ist Quarantäne von Schweden nach Deutschland über Malmö? Wie lange wohnst Du noch auf Rügen? Man lacht hier über meine Misere, und ich würde sie total beenden, hätte ich nicht die Kinder. Mit Grüßen und Hoffnung auf schnelle Antwort.(199) Freundlichst Ola Hansson veröffentlichte diesen Brief in Zusammenarbeit mit seiner Frau Laura Marholm in der gerade von Maximilian Harden gegründeten Zeitschrift, DIE ZUKUNFT, die mit einer Startauflage von dreißigtausend Exemplaren herauskam. Das Paar Hanson/Marholm verschärfte die Wirkung des Briefes durch einige Sätze, dei dem Brief nachgestellt waren. Es hieß da unter anderem:[---] nun kann die ganze gebildete Welt sehen, wie Schwedens größtes Genie, nach einer fünfzehnjährigen, rastlos stömenden Produktivität, auf Rosen gebettet ist, wie Schweden seinen größten Sohn schätzt und sich selbst in ihm ehrt. Ich weiß, diese Zeilen werden einen Racheschrei aus dem gelobten Land der Eisenindustrie hervorrufen, aber ich habe darin Erfahrung und Beweise, die ich vorlegen kann. [---] Durch die Veröffentlichung des Briefes wurde Strindberg gezwungen, so erzählte er es seiner zukünftigen Frau, Frida Uhl, Schweden, so wie es die Freunde vorgeschlagen hatten, fluchtartig Richtung Berlin zu verlassen. Berlin: Potsdamerstrasse
27 A III
D. 24.Dezember 1892
Verzeihen sie mir deswegen meine Unhöflichkeit, dass ich Ihnen nicht früher ein Besuch gestattet habe. Ich hatte nur, heute, mit meiner Karte, die Absicht die Briefe zu bekommen, welche oftmals an die ZUKUNFT gesandt sind. Sehne mich allerdings nach einem Zusammentreffen, und bitte dringend Zeit und Platz wissen: wann und wo wir uns finden können. In der Überzeugung dass alles merkliches sich erklären lässt trotz meines schlechten Deutsch. verschiedensten, meistenteils skandinavischen und deutschen Schriftsteller, Maler, Bildhauer, Wissenschftler und Musiker, wie Edvard Munch, Richard Dehmel,Holger Drachmann, Hermann Sudermann, Christian Krohg, Adolf Paul, den Arzt Carl Ludwig Schleich, aber auch schwarze Gestalten wie Stanislaw Przybyszewski und Dagny Juel Der Kreis traf sich in einem Berliner Lokal, "Zum Schwarzen Ferkel", wo man sich traf, aß und trank, diskutierte und stritt. Dort traf August Strindberg auch seine künftige, zweite Ehefrau. Schon nach kürzerer Zeit schrieb er an die geschiedene erste Frau darüber. ![]() Berlin, den 27.März
1893
auch nicht wahr, und damit Du Dich der Kinder wegen nicht sorgst, bitte ich Dir sagen zu dürfen: Eine neue Ehe, die Einfluß bezüglich des Erbrechts u.s.w. hat, kommt erst zustande, wenn meine Stellung ökonomisch voll garantiert ist - Ich streite noch mit mir, ob ich meinen Kindern untreu werden soll und weiß kaum, ob ich es will. Unter allen Umständen richte ich es so, solange die Gesetze anderer Länder es zulassen, alle Vorteile Karin, Greta und Hans, welche meinem Herzen nächst stehen, zukommen zu lassen. Die Verlobung ist nicht bekannt gemacht worden und dies wird vielleicht nicht vor dem Herbst geschehen, bis auf weiteres ist alles nur ein Gerücht. Bin vom ganzen Lebensspiel ermüdet, Ehre und Schmach gesättigt, und lebe außerdem in einem Land, wo die Landessitte jedermann zum gründlichen Nachdenken über sein Hinscheiden veranlaßt. Und über meinem habe ich gründlich nachgedacht. Behalte genau in der Erinnerung, was ich in diesem und vielleicht einigen folgenden Briefen schreibe, besonders Namen und Adressen. Falls es Dir unangenehm ist, brauchst Du diese Briefe nicht beantworten!(202) Ich werde Geld schicken, so schnell ich kann, sicher bald und direkt an Dich. [---]
Während dieses Jahres ist August recht erfolgreich beim Berliner Theaterpublikum mit "Der Gläubiger", "Die Erste Warnung" , "Vor dem Tode" sowie mit "Spiele mit dem Feuer", das im Dezember 1893 auf dem Lessingtheater in Berlin zur Uraufführung kam. Als Frida schwanger wird, kommt eine neue Krise in das Verhältnis der zwei großen Individualisten und Frida zieht auf das Gut ihrer Eltern nach Östereich. Strindberg folgt nach kurzer Zeit, nachdem man sich erneut ausgesöhnt hat nach und verbringt den Winter mit botanischen und chemischen Studien.
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